Die wichtigsten Erkenntnisse

Mehr als die Hälfte der Befragten (57 %) hat bereits mit einem Chatbot gearbeitet. Besonders schätzen Talente dabei die schnelle Reaktion: Statt lange auf eine Rückmeldung zu warten, erhalten sie direkt eine Antwort. Auch KI-Sprachassistenten kommen gut an. Mehr als die Hälfte (53 %) der Befragten wurde bereits von einem solchen Assistenten interviewt. Davon bewertete die Mehrheit (91 %) das Gespräch mit dem Assistenten als genauso gut oder sogar besser als ein Interview mit einem Menschen. Im vergangenen Jahr waren es noch 89 %.

Die letzten Jahre haben auch bei vielen Talenten ihre Spuren hinterlassen. Immerhin blicken noch 60 % der Befragten optimistisch auf den Arbeitsmarkt. Allerdings steigt dieser Anteil auf 71 %, wenn sie bereits positive Erfahrungen mit KI im Recruiting gemacht haben. Diese Ergebnisse machen deutlich: Eine positive KI-Erfahrung verbessert nicht nur die Candidate Experience, sondern kann auch dazu beitragen, dass Jobsuchende zuversichtlicher auf ihre beruflichen Chancen und den Bewerbungsprozess blicken.

Mehr Talente setzen wieder auf Personalberatungen

Die Jobsuche ist für viele Talente schwieriger und unübersichtlicher geworden. Entsprechend wächst der Anteil derjenigen, die sich Unterstützung bei einer Personalberatung holen. Im vergangenen Jahr nannten 30 % der Befragten einen Personaldienstleister als wichtigste Anlaufstelle bei der Jobsuche. 2026 ist diese Zahl auf 36 % gestiegen.

Zwar liegen Online-Jobbörsen als erste Anlaufstelle mit 54 % weiterhin deutlich vorne, doch die Daten zeigen hier eine Verschiebung. Im globalen Vergleich ist der Abstand sogar nahezu verschwunden: Weltweit nutzen 58 % der Befragten vor allem Personaldienstleister und 57 % Stellenbörsen für ihre Jobsuche.

Ich kann die Bewerber:innen aktuell gut verstehen. Das Angebot auf den Jobbörsen ist mau – ganz gleich, welche Plattform man nutzt.
Lauren Hunter-Parrish Lead Staffing Manager, TriStarr

KI hat den Bewerbungsprozess bereits verändert

KI gehört für viele Talente und Recruiter inzwischen zum Alltag. 69 % der Befragten nutzen KI bei ihrer Jobsuche, etwa um ihren Lebenslauf zu erstellen oder Bewerbungen vorzubereiten. Gleichzeitig sind 64 % bereits mit KI in Kontakt gekommen, die ihr Personalvermittler für das Screening oder für Vorstellungsgespräche einsetzt.

Am häufigsten nutzen Talente KI-Tools, um ihren Lebenslauf zu erstellen oder zu aktualisieren (53 %) und passende Stellenangebote zu finden (46 %).

KI verbessert die Candidate Experience und die Resultate

Talente schätzen passende Jobs und eine konsistente Kommunikation dank KI

Die Frage nach dem größten Mehrwert von KI beantworteten die Befragten eindeutig: Sie sehen ihn vor allem bei der Suche nach passenden Stellen und bei einem einfacheren, effizienteren Bewerbungsprozess. Das wirkt sich direkt auf die Bindung aus: 81 % der Talente würden weiterhin mit ihrer Personalvermittlung zusammenarbeiten, wenn sie mit den angebotenen Stellen zufrieden sind. Seit Jahren kritisieren Jobsuchende, dass Recruiting-Prozesse zu langsam und zu wenig transparent sind. Angesichts der steigenden Zahl an Bewerbungen und des sich schnell verändernden Arbeitsmarkts sehen sie in KI-Tools eine Möglichkeit, diesen Herausforderungen zu begegnen – sowohl für sich selbst als auch für Recruiter.

KI verbessert Geschwindigkeit und Reaktionsfähigkeit

Talente erleben, dass das Zusammenspiel von Recruitern und KI zu schnelleren Rückmeldungen und mehr Transparenz im Bewerbungsprozess führt. Besonders schätzen sie die Geschwindigkeit, Klarheit und verlässliche Kommunikation. Da KI den Prozess in jeder Bewerbungsphase beschleunigen kann, adressiert sie genau die Punkte, die Talente bei ihrer Jobsuche häufig kritisiert haben. Einige Personalvermittlungen gehen noch einen Schritt weiter und schaffen auch für jene Bewerber:innen einen konkreten Mehrwert, die am Ende nicht vermittelt werden. Avenica beispielsweise erstellt detaillierte Kompetenzanalysen und Empfehlungen. Den daraus entstehenden Report erhalten alle Kandidat:innen, unabhängig vom Ausgang des Bewerbungsprozesses. Das Feedback darauf sei überaus positiv.

Am Ende nehmen die Kandidat:innen etwas Konkretes mit … Sie erhalten diesen Bericht, unabhängig davon, ob sie eine Stelle oder eine Absage bekommen haben. So erkennen sie, wie wertvoll die Zusammenarbeit mit Avenica ist, selbst dann, wenn wir ihnen keinen Job vermitteln.
Gary Benedik Chief Revenue Officer bei Avenica

Positive KI-Erfahrungen fördern Zufriedenheit, Loyalität und Optimismus

64 % der Befragten sind im Recruiting-Prozess mit KI in Berührung gekommen. Für 70 % von ihnen war diese Erfahrung positiv. Mehr als die Hälfte findet die KI-Anwendungen im Recruiting sogar besser als jene, die sie aus anderen Lebensbereichen kennen.

Die Ergebnisse zeigen einen klaren Zusammenhang: Positive KI-Erfahrungen steigern Zufriedenheit, Loyalität und Optimismus – weltweit ebenso wie in der DACH-Region. Dennoch liegen die Werte in DACH noch hinter denen Nordamerikas. Diese zeitversetzte Entwicklung wird am Markt häufig bei der Einführung neuer Technologien beobachtet.

Geschwindigkeit und schnelle Rückmeldungen stärken die Loyalität

Talente wünschen sich schnelle Prozesse. Das zeigt der Talent-Trends-Report nun bereits im dritten Jahr in Folge. 45 % der Bewerber:innen beendeten die Zusammenarbeit mit einer Personalberatung, weil der Prozess zu langsam war. Konkret nannten unzufriedene Talente unter anderem ausbleibende oder verspätete Rückmeldungen und langwierige Interview- und Folgeprozesse.

Umgekehrt steigt die Loyalität deutlich, wenn das Tempo stimmt: 79 % der Talente, die mit der Geschwindigkeit und Reaktionsfähigkeit ihrer Personalberatung zufrieden sind, würden weiter mit ihr zusammenarbeiten. Besonders deutlich zeigt sich dieser Zusammenhang bei KI-Sprachassistenten: 96 % der Befragten, die ihr KI-gestütztes Interview als sehr positiv bewerteten, waren auch mit der Geschwindigkeit und Reaktionsfähigkeit ihrer Personalberatung zufrieden

Die Bewerbererfahrung ist für bis zu 77 % der Talente gut

Die Mehrheit der Talente bewertet ihre aktuelle Recruiting-Erfahrung positiv: 75 % würden erneut mit ihrer Personalberatung zusammenarbeiten. Je nach Phase empfinden 62 bis 77 % der Befragten das Bewerbungsverfahren als zufriedenstellend. Mehr als die Hälfte der Talente, nämlich 55 bis 68 %, ist mit ihrer KI-Erfahrung während der jeweiligen Bewerbungsphase zufrieden.

Damit hat sich die Candidate Experience gegenüber 2025 spürbar verbessert, erreicht jedoch noch nicht wieder das Niveau von 2024. Eine mögliche Erklärung: Viele KI-gestützte Anwendungen waren im vergangenen Jahr noch neu und haben sich seitdem kontinuierlich weiterentwickelt.

Fehlt es an Klarheit und Transparenz, steigt die Unzufriedenheit

Trotz der insgesamt positiven Bewertungen gibt es weiterhin Bereiche, die Frustpotenzial bergen. Auf die Frage nach den Problemen in den einzelnen Phasen des Bewerbungsverfahrens nannten Talente in der DACH-Region vor allem fehlende Klarheit und Transparenz – und weniger die Dauer oder Komplexität des Prozesses.

Für 46 % der Befragten waren unklare nächste Schritte das größte Problem im Bewerbungsprozess. In der Interviewphase bemängelten 39 % eine unzureichende Kommunikation.

Dieses Muster zieht sich durch alle Bewerbungsphasen hindurch: Bewerber:innen geht es darum, zu wissen, wo sie stehen und wie es weitergeht. Im globalen Vergleich stören sich die Befragten in DACH interessanterweise seltener daran, wie lange ein Prozess dauert.

Chatbots sorgen für schnellere Rückmeldungen und mehr Klarheit

Bei Chatbots schätzen Talente vor allem zwei Dinge: die Geschwindigkeit und die Transparenz im Prozess. Sie erhalten schnell eine Rückmeldung und wissen besser, wo sie im Bewerbungsprozess stehen.

Gerade in der ersten Screening-Phase leisten Chatbots einen wichtigen Beitrag. Sie ermöglichen eine zügige Vorauswahl und verkürzen den Weg zum persönlichen Gespräch.

Damit verbessern sie genau jene Aspekte, die in der Vergangenheit häufig bemängelt wurden: lange Wartezeiten, fehlende Rückmeldungen und mangelnde Transparenz.

Wir setzen uns sehr bewusst mit den Fragen auseinander: Wir überarbeiten sie, passen sie an, streichen oder ergänzen sie. Entscheidend ist, sie genau auf die jeweilige Stelle und das Arbeitsumfeld zuzuschneiden, damit wir von Anfang an wirklich relevante Informationen erhalten.
Lauren Hunter-Parrish Leiterin der Personalvermittlung, TriStarr

Sprachassistenten erleichtern es Talenten, ihre Fähigkeiten zu zeigen

Talente, die bereits von einem KI-Sprachassistenten interviewt wurden, bewerten diese Erfahrung überwiegend positiv. 91 % fanden das Gespräch genauso gut oder besser als ein Interview mit einem Menschen. Für mehr als jeden Dritten (36 %) war die Erfahrung sogar besser, für weitere 55 % gleich gut.

Auch mehrere Führungskräfte aus der Personaldienstleistungsbranche berichten von ähnlichen Erfahrungen. Besonders bei technischen und gewerblichen Profilen können KI-Sprachassistenten Vorteile bieten, wenn sie gezielt auf eine bestimmte Position und deren Anforderungen ausgerichtet sind. Geschätzt wird vor allem, dass sie fachliche Kompetenzen strukturiert abfragen und passende Rückfragen stellen können. So erhalten die Kandidat:innen die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten ausführlich zu präsentieren. Im anschließenden persönlichen Gespräch bleibt gleichzeitig mehr Raum für Soft Skills, Motivation und persönliche Passung.
it.

Der KI-Sprachassistent kann mit Kandidat:innen sprechen und gezielte, fachlich relevante Fragen stellen. Die Bewerber haben so eine bessere Chance, zu zeigen, was sie wirklich können.
Ryan Boyden Senior Director, Enterprise Delivery, Take2

Positive KI-Erfahrungen führen zu höherer Zufriedenheit

In den letzten drei Reports bemängelten die Befragten immer wieder, die Prozesse seien unnötig kompliziert und bürokratische Hürden zu hoch. Langwierige Bewerbungsprozesse, aufwändiges Onboarding, umständliche Compliance-Prozesse oder eine komplizierte Zeiterfassung sorgen immer wieder für Frust.

Die aktuellen Daten machen jedoch einen klaren Zusammenhang sichtbar: Wer in einer bestimmten Phase des Recruiting-Prozesses positive Erfahrungen mit KI macht, ist in dieser Phase häufig insgesamt zufriedener.
Besonders deutlich zeigt sich das beim Vorstellungsgespräch: 86 % der Talente, die ein positives, KI-gestütztes Interview erlebten, waren mit dem gesamten Bewerbungsverfahren zufrieden.

Positive KI-Erfahrungen steigern die Loyalität auf 85 %

Auch die Bereitschaft zur weiteren Zusammenarbeit hängt von den KI-Erfahrungen im Prozess ab: 85 % der Talente geben an, ihrer Personalvermittlung treu zu bleiben, wenn sie mit KI positive Erfahrungen gemacht haben. Nach einer negativen KI-Erfahrung sind es dagegen nur 49 %.

Diese Korrelation lässt sich in allen Phasen des Recruiting-Prozesses beobachten. Umso wichtiger ist es, KI über alle Phasen hinweg einzusetzen und dabei konsequent auf eine gute Candidate Experience zu achten.

Hier besteht noch Verbesserungspotenzial, auch wenn je nach Phase derzeit schon rund 70 bis 75 % der Talente mit dem Einsatz von KI zufrieden sind.

Positive KI-Erfahrungen stimmen Bewerber:innen optimistisch

71 % der Talente, die bereits gute Erfahrungen mit KI während ihrer Bewerbungsphase gemacht haben, blicken optimistisch auf den Arbeitsmarkt. Unter denjenigen ohne entsprechende KI-Erfahrung sind es dagegen nur 42 %.

Wer selbst positive Erfahrungen mit KI gemacht hat, steht ihrem Einsatz im Recruiting offenbar aufgeschlossener gegenüber. Gerade nach zwei bis drei Jahren auf einem schwierigen und unsicheren Arbeitsmarkt können positive Erfahrungen mit KI-Tools dazu beitragen, Talente wieder zuversichtlicher zu stimmen.

Der Einsatz von KI kann den Anteil sehr zufriedener Kandidat:innen verdoppeln

Eine der auffälligsten Erkenntnisse des diesjährigen Reports: Talente, die innerhalb des Recruiting-Prozesses mit KI in Berührung gekommen sind, zeigen sich in vielen Phasen deutlich zufriedener.

Je nach Phase bewerten 65 bis 81 % der Talente mit KI-Erfahrung ihre Zufriedenheit mit mindestens vier von fünf Punkten. In manchen Phasen steigt der Anteil an der Höchstwertung von fünf Punkten deutlich.

Insgesamt zeigt sich damit ein klares Muster: Talente, die bereits erlebt haben, wie KI sie im Bewerbungsprozess unterstützen kann, bewerten auch ihre Candidate Experience häufig positiver. Allerdings hinkt auch dieser Trend noch der Entwicklung in Nordamerika hinterher.

Weitere Einblicke zu den GRID 2026 Talent-Trends gibt es hier:

KI überzeugt noch nicht alle Talente

Die Mehrheit der Befragten befürwortet den Einsatz von KI im Bewerbungsprozess. Dennoch sind 38 % in mindestens einer Phase damit unzufrieden. Das ist deutlich mehr als weltweit: Hier liegt dieser Anteil bei nur etwa einem Viertel (24 %). Die Skepsis gegenüber KI ist in der DACH-Region damit stärker ausgeprägt.

Allerdings betrifft die Unzufriedenheit meist nicht den gesamten Prozess: 26 % der Befragten waren lediglich mit einer oder zwei Phasen unzufrieden. Für Personalberatungen und Personaldienstleister bietet sich hier die Chance, gezielt nachzubessern und die Candidate Experience zu optimieren. Generell stehen Talente in DACH dem Einsatz von KI-Tools kritischer gegenüber als Befragte in anderen Regionen und nutzen diese seltener für ihre Jobsuche.

KI verändert die Personalbeschaffung so stark wie kaum eine andere technologische Entwicklung der vergangenen Jahre. Dass Talente dazu Fragen und Bedenken haben, ist daher nachvollziehbar. Wichtig ist es, etwaige Unsicherheiten zu verstehen und über Maßnahmen nachzudenken, die Talente hierbei sinnvoll unterstützen.

Talente wünschen sich faire Entscheidungen

Die größte Sorge beim Einsatz von KI durch Personaldienstleister: 39 % der Talente in DACH befürchten, von einem Algorithmus aus dem Auswahlprozess ausgeschlossen zu werden, obwohl sie für eine Stelle geeignet wären. Nur 16 % sorgen sich dagegen in erster Linie darum, dass die Interaktion mit KI unangenehm oder unnatürlich sein könnte.

Im globalen Vergleich sieht das anders aus: Dort liegen beide Bedenken mit jeweils 30 % gleichauf. Weitere 24 % der Befragten in DACH fürchten vor allem, keine Gelegenheit für ein persönliches Gespräch zu bekommen.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Talente in DACH insbesondere die Sorge beschäftigt, dass eine Technologie über ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt entscheidet. Genau hier sind Transparenz seitens der Personalberatungen und menschliche Kontrolle entscheidend.

Mehrere Führungskräfte aus der Personaldienstleistungsbranche berichten, dass sie deshalb auch Grenzfälle bewusst prüfen und Potenzial nicht allein anhand festgelegter KI-Kriterien bewerten. Für das Vertrauen der Talente ist es wichtig, nachvollziehbar zu machen, wie KI eingesetzt wird – und deutlich zu kommunizieren, dass Menschen weiterhin Teil des Entscheidungsprozesses bleiben.

Jede Person, die alle Schritte unseres Prozesses durchläuft, spricht mit jemandem aus unserem Team. Das kommunizieren wir von Anfang an ganz transparent. Wir stellen sicher, dass dieses persönliche Gespräch stattfindet – unabhängig davon, ob wir am Ende eine passende Stelle anbieten können.
Gary Benedik Chief Revenue Officer bei Avenica
Ich möchte wissen, dass im Hintergrund ein Mensch beteiligt ist, der die Ergebnisse prüft, hinterfragt und sicherstellt, dass alles korrekt abläuft.
James Osborne Mitgründer von „The Recruitment Network“

Talente fürchten, trotz Eignung durchs Raster zu fallen

Auch beim Blick auf andere Bewerbende zeigt sich eine gewisse Skepsis gegenüber KI. Weltweit ist die größte Sorge, aufgrund der Flut an KI-generierten Bewerbungen überhaupt keine Rückmeldung zu erhalten. Immerhin 41 % der Befragten nennen das als Hauptproblem.

In der DACH-Region steht dagegen eine andere Befürchtung an erster Stelle: 38 % sorgen sich, bereits im Screening auszuscheiden, obwohl sie für die Stelle geeignet wären. 30 % befürchten, gar keine Rückmeldung zu erhalten, und 24 % haben Sorge, dass durch den Einsatz von KI viele Bewerbungen austauschbar wirken.
Die Ergebnisse lassen eine große Unsicherheit erkennen: Talente fragen sich, ob KI ihre Chancen tatsächlich verbessert – oder ob Bewerbungen trotz entsprechender Qualifikation vom Algorithmus aussortiert werden.

Was Talente außerdem beschäftigt

Für den vorliegenden Report wurden erstmals nicht nur Vertreter:innen aus der Personalvermittlungsbranche, sondern auch Jobsuchende direkt befragt. In den Gesprächen zeigten sich ähnliche Herausforderungen.

Bewerber:innen empfinden die Jobsuche derzeit als frustrierend und unübersichtlich. Besonders häufig nannten sie vier Punkte:

  • Fake-Stellenanzeigen: Einige Jobsuchende berichten, dass Unternehmen immer wieder dieselben Stellen ausschreiben, ohne diese offenbar zu besetzen. Erfahrene Bewerbende achten deshalb zunehmend auf Hinweise wie fehlende Gehaltsangaben oder sehr allgemein formulierte Ausschreibungen.
  • Das „schwarze Loch“ der Jobbörsen: Viele Talente bewerben sich über LinkedIn, Indeed oder andere Plattformen auf mehrere Stellen und erhalten dennoch keinerlei Rückmeldung.
  • Betrugsversuche: Unter anderem beschwerten sich Talente über unerwünschte Nachrichten, unseriöse Stellenangebote und Kontaktaufnahmen durch vermeintliche Recruiter.
  • Hohe Bewerberzahlen und KI-optimierte Lebensläufe: Viele Talente empfinden es als entmutigend, bei jeder Stelle mit einer großen Zahl an Bewerbenden zu konkurrieren – insbesondere wenn KI genutzt wird, um Lebensläufe möglichst genau auf die jeweilige Ausschreibung zuzuschneiden.

Auffällig dabei ist: Viele dieser negativen Erfahrungen entstehen bei Bewerbungen über Jobbörsen oder direkt über Karriereseiten von Unternehmen. Diese sinkende Zufriedenheit bietet Staffing-Unternehmen die Chance, sich mit persönlicher Betreuung und verlässlicher Kommunikation stärker von Jobbörsen abzuheben.

Professionelle Personalvermittler präsentieren den Bewerber:innen ausschließlich seriöse Stellenangebote. Sie erkennen auch, welche Talente es ernst meinen. Alle Personalvermittler betonten, dass sie größten Wert darauf legen, regelmäßig mit den Kandidat:innen im Kontakt zu stehen. Da beim Einsatz von KI aufwändige Aufgaben wegfallen, können Recruiter mehr Talente als je zuvor erreichen und persönlich betreuen.

Persönliche Kommunikation und Karriereunterstützung nach wie vor entscheidend

Talente wünschen sich regelmäßige Rückmeldungen und Klarheit darüber, wo sie im Bewerbungsprozess stehen. Erfüllt sich dieser Wunsch, wirkt sich das deutlich auf ihre Loyalität aus: 79 % der Talente, die mit der Geschwindigkeit und dem Informationsfluss zufrieden sind, würden weiter mit ihrer Personalberatung zusammenarbeiten.

Wöchentlicher Kontakt steigert die Loyalität auf 83 %

Ähnlich wie in den letzten zwei Jahren möchte etwa die Hälfte (55 %) der Befragten mindestens einmal pro Woche von ihrer Personalberatung hören. Tatsächlich findet das nur bei 52 % in dieser Frequenz statt.

Dabei zahlt eine regelmäßige, proaktive Kommunikation direkt auf die Punkte ein, auf die Talente besonders hohen Wert legen: schnelle Rückmeldungen, Orientierung und Unterstützung.

Mehrere befragte Führungskräfte berichten, dass Talente durchaus offen für automatisierte Kommunikation seien – vorausgesetzt, sie erhalten dadurch relevante Informationen zum Stand ihrer Bewerbung.

Damit wird immer deutlicher: Eine gute Candidate Experience entsteht im perfekten Zusammenspiel aus persönlicher Betreuung und dem Einsatz digitaler Tools.

Was sich Bewerber im aktuellen Einstellungsprozess am meisten wünschen, ist der persönliche Kontakt. Sie sind bereit, sich auf Tausende von Stellen zu bewerben – wohl wissend, dass die meisten Bewerbungen ins Leere laufen –, doch wenn sich jemand die Zeit nimmt, sie anzurufen (und sei es nur, um den Eingang der Bewerbung zu bestätigen), spürt man ihre enorme Dankbarkeit. Und sehr oft kommen sie wieder auf einen zu.
Ryan Boyden Senior Director, Enterprise Delivery, Take2

Bewerber schätzen die persönliche Betreuung durch Personalberater:innen sehr

Angesichts der Bewerbungsflut wird es für Bewerber:innen immer schwieriger, bei passenden Arbeitgebern sichtbar zu werden. Deshalb benötigen Talente die persönliche Unterstützung durch Personaldienstleister mehr denn je.

Dabei geht es ihnen nicht nur um das Finden einer neuen Stelle. Sie wünschen sich Ansprechpartner, die sie bei ihrer weiteren Karriereplanung unterstützen, auf neue Einsatzmöglichkeiten aufmerksam machen und aufzeigen, welche Fähigkeiten sie auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft benötigen.

Ein Personalvermittler beschrieb Jobbörsen heutzutage als einen „entmutigenden Ort“. Insofern bieten Personalberater:innen genau hier einen Mehrwert: Sie geben Orientierung, erklären Zusammenhänge und können Talente langfristig auf ihrem Karriereweg begleiten.

Persönliche Unterstützung schafft Zuversicht

Die bisherigen Ergebnisse zeigen: Zufriedenheit und positive Erfahrungen im Bewerbungsprozess hängen eng mit einer optimistischen Einstellung zusammen. Personaldienstleister können dazu beitragen, indem sie Talenten Orientierung, Verständnis und konkrete Unterstützung bieten.

79 % der Befragten, die dem Einsatz von KI im Recruiting optimistisch gegenüberstehen, würden weiter mit ihrer Personalberatung zusammenarbeiten. Unter den eher pessimistischen Talenten sind es 65 %.

Gerade in einem schwierigen Arbeitsmarkt bleibt der persönliche Mehrwert deshalb entscheidend: Personaldienstleister können Talente nicht nur bei der nächsten Vermittlung unterstützen, sondern ihnen auch helfen, ihre berufliche Entwicklung langfristig zu gestalten. Genau darin liegt ein Vorteil, den reine Jobbörsen in der Regel nicht bieten können.

Fazit

Die Ergebnisse des diesjährigen Talent-Trends-Reports zeigen: Eine gute Candidate Experience entsteht nicht rein aus Zufall. Entscheidend sind schnelle Prozesse, transparente Kommunikation und verlässliche Unterstützung. KI kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten.

Talente, die positive Erfahrungen mit KI im Recruiting gemacht haben, sind zufriedener, loyaler und blicken optimistischer auf den Arbeitsmarkt. Gleichzeitig zeigt die Auswertung der Daten auch, dass Vertrauen und eine persönliche Begleitung unverzichtbar bleiben.

Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

  • KI-Tools setzen an den größten Kritikpunkten der Talente an und fördern so eine positive Candidate Experience.
  • Eine positive Begegnung mit KI im Bewerbungsprozess geht mit höherer Zufriedenheit, Loyalität und mehr Optimismus einher.
  • Talente haben ernstzunehmende Bedenken. Mehr Transparenz und vertrauensbildende Maßnahmen sind deshalb besonders wichtig.
  • Der persönliche Kontakt ist das stärkste Argument für Personaldienstleister. KI sollte unterstützen, um dafür mehr Raum zu schaffen.

Der Einsatz von KI im Recruiting bedeutet nicht, Menschen aus dem Prozess zu verdrängen. Vielmehr geht es darum, unnötige Hürden abzubauen, qualifizierte Talente schneller sichtbar zu machen und den Weg zum persönlichen Gespräch zu verkürzen.

Dafür braucht es klare Prozesse, die bewusste Einbindung des Menschen – das sogenannte Human in the Loop – und einen verantwortungsvollen Einsatz von KI. Wenn Technologie Routineaufgaben übernimmt und für mehr Geschwindigkeit und Transparenz sorgt, bleibt Recruitern mehr Zeit für das, was Talente schon immer besonders geschätzt haben: persönliche Beratung, Orientierung und echte Beziehungen.