Starke Frauen in der Personalberatung – Interview mit Simone Straub

Simone Straub Interview Bullhorn

Im Hinblick auf unser Online-Event Choose to Challenge Yourself, das wir am 3. März 2021 im Zuge des International Women’s Day abhalten beschäftigen wir uns mit Unternehmerinnen und starken Frauen in der Personalberatung.

Für diesen Blogartikel haben wir uns im Interview mit Simone Straub zusammengesetzt, um zu erfahren, was starke Frauen im Recruiting ihrer Meinung nach ausmacht und welche Qualitäten man mitbringen muss, wenn man langfristig selbstständig Erfolg haben möchte.

Simone Straub ist “Der Personalberater Coach”. Seit 2008 coacht sie Personalberater, Personalvermittler und Recruiter zum Erfolg. Ihre Expertise teilt sie in nationalen und internationalen Trainings und Coachings mit Personalberatern und Personalvermittlern.

Dank ihrer weitreichenden Branchenerfahrung gibt Simone tiefe Einblicke in die ganz spezifischen Herausforderungen in der Personalberatung und schenkt Frauen Mut, Neues auszuprobieren.

Mehr dazu im anschließenden Interview.


1. Wie kamen Sie auf die Idee Ihre eigene Firma “Der Personalberater Coach” zu gründen?

Der Entschluss war die logische Konsequenz daraus, meinen persönlichen Werten treu zu bleiben. Diese sind unter anderem:

  1. Authentizität
  2. Freiheit
  3. Persönliche Weiterentwicklung

Bei meinem damaligen Arbeitgeber brachte mich die Karriereleiter in die Position des „Head of Learning & Development“. In dieser Führungsfunktion musste ich speziell gegenüber meinen Mitarbeitern einige Entscheidungen der Geschäftsführung vertreten, die ich persönlich nicht vertreten konnte. Zusätzlich ist man als Mitarbeiter eines Unternehmens immer ein Teil der Vision von anderen. Ich hatte jedoch meine eigene Vision; genauso wie mein eigenes Tempo, in dem ich mich und diese entwickeln wollte. So schien die Selbstständigkeit für mich damals die beste Option und das ist sie bis heute. 

2. Wie war das Feedback auf Ihre Unternehmensgründung? 

Von meinem privaten Umfeld eher verhalten. Ich hatte einen tollen Job, bei dem ich die Welt bereiste, flexibel auch von zu Hause arbeiten konnte und gut verdiente. Dass ich dies aufgeben wollte, war selbst für meine nächsten schwer nachzuvollziehen.

Mein berufliches Umfeld begrüßte dies jedoch sehr – ich war für das knappe erste Jahr praktisch ausgebucht. 

3. Was raten Sie anderen Frauen, die sich selbständig machen möchten, aber denen derzeit noch der Mut fehlt? 

Die Entscheidung für die Selbstständigkeit ist selten eine rationale. Es gibt im Zweifelsfall immer genauso viel Argumente, die dafür sprechen, wie dagegen. Je nach privater Situation würde ich empfehlen

  1. sich ein Polster anzusparen, mit dem man 3-6 Monate gut überleben kann
  2. sich den klassischen Zielkunden zu definieren und vorab mit mindestens 10 von diesen zu sprechen, ob und unter welchen Bedingungen diese eure Dienstleistung / euer Produkt kaufen würden
  3. Wenn die Erkenntnisse aus dem 2. Punkt positiv sind, es einfach zu tun.

Zusätzlich hat es mir geholfen, die Entscheidung gedanklich auf ein Jahr zu beschränken. Ein Jahr, in dem ich mich zu 100 % Einsatz committe und an dessen Ende ich dann bewerten kann, ob ich weitermache oder eben nicht. Daran geknüpft war die Frage: „Was ist der denkbar schlechteste Ausgang nach 12 Monaten? Wo würde ich im schlechtesten Fall stehen?“. Ich stellte fest, dass der schlechteste Fall nicht wirklich schlecht für mich war… weswegen ich es dann einfach tat. 

4. Was sind die größten Herausforderungen in der Personaldienstleistung heute (Stichwort Covid-19)?

Der Branche der Personaldienstleistung ist mit seinen unterschiedlichen Vertragsformen und Tätigkeitsfeldern so vielfältig, dass sich diese Frage für mich schwer beantworten lässt. Mit Blick auf Corona denke ich, dass die Branche sich mittlerweile sehr gut an die aktuelle Zeit angepasst hat und seine Chancen am Markt sucht. Die übrigen Herausforderungen richten sich immer ein bisschen danach, ob der Dienstleister in seinem Tätigkeitsbereich eher einen Kandidaten – oder Kundenmarkt vorfindet. Je nach dem, wo sich der Zielmarkt der Personaldienstleistung befindet, müssen eben entsprechende Aktionen ergriffen werden. 

5. Wie geht man als Personalberater mit Hiring Freeze bzw. spontanen Absagen von Kunden um? 

Professionell und menschlich, wie mit praktisch jeder anderen Situation, die einem als Personalberater im beruflichen Alltag begegnen kann. Solche Dinge geschehen ja nicht aus Vorsatz und meistens sind sie dem Ansprechpartner beim Kunden auch unangenehm. Eine offene Kommunikation über die Hintergründe der Entwicklung gibt Handlungsmöglichkeiten für die Zukunft – eventuell verändern sich die Umstände ja in absehbarer Zeit. Ein emphatisches und verständnisvolles Verhalten gewährleisten dann, dass der Kunde wieder auf einen zukommt. 

Gleichzeitig ist es wichtig, genauso offen den Kandidaten mit ins Boot zu holen und die Umstände zu erklären. Hat man sich im gesamten Prozess offen und transparent verhalten, wird dieser das verstehen. 

6. Wie wichtig ist das Erlernen neuer Technologien im Job eines Personalberaters? Wie kann Software den Personalberater im Alltag unterstützen?

Für den angestellten Personalberater ist es sicherlich wichtig, offen dafür zu bleiben und Initiativen des Arbeitgebers zu unterstützen. Da der Job eines Personalberaters viele Aufgaben mit sich bringt, sehe ich die Verantwortung für Innovation und technische Weiterentwicklung eher in der Geschäftsleitung. Es kommen ständig irgendwelche neuen Tools auf den Markt. Da fällt es schwer zu beurteilen, welchen man am Ende eine Chance gibt. Darum sollten sich aus meiner Sicht also eher Personen Gedanken machen, die primär „am“ Unternehmen arbeiten und nicht durch operative Aufgaben gefangen sind. Für Solo-Selbstständige ergibt sich da natürlich noch eine zusätzliche Aufgabe, die es zu bewältigen gilt. 

In jedem Fall ist es wichtig, offen für Neuerungen zu sein. Da unsere Dienstleistung öfters da ansetzt, wo andere im Recruiting nicht weiterkommen, sind wir gefordert, mit unseren Fähigkeiten und Tools immer die notwendige Nasenlänge voraus zu sein. Gute Software hilft dabei, Routinearbeiten zügig abzuwickeln und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Relevanz für unser Gegenüber zu schaffen. 

7. Warum ist digitale Transformation in der Personaldienstleistungsbranche “schwieriger” als in anderen Branchen? Was sind Blockaden/ Bedenken? 

Ist das so? Diese Wahrnehmung teile ich nicht. Grundsätzlich ist es jedoch sicherlich so, dass „wichtige“, aber nicht „dringende“ Aufgaben gern zu Gunsten des operativen Tagesgeschäfts vor sich her geschoben werden. Deswegen werden Initiativen diesbezüglich vielleicht nicht so zügig umgesetzt, wie sie umgesetzt werden könnten. Jeder, der zum Thema Zeitmanagement geschult ist, weiß jedoch, dass wichtige und nicht dringende Aufgaben bei fehlender Erledigung irgendwann dringend werden und sei es, weil einen so unverhoffte Entwicklungen wie Corona treffen. 

8. Was raten Sie Personaldienstleistern für die nächsten 1 bis 2 Jahre?  

Unsere Dienstleistung wird es so lang geben, wie sie Nutzen stiftet. Es bleibt also wichtig, im Gespräch mit Kunden und Kandidaten zu bleiben. Ein ernsthaftes Interesse daran zu haben, ihr berufliches Leben zu erleichtern und zu reflektieren, welche Entwicklungen sich daraus ergeben. Dann hat man auch die Chance, sich mit dem Markt zu wandeln und auch noch in Zukunft unternehmerisch erfolgreich zu sein. 

Im „kleinen“, also im Tagesgeschäft gilt es, weiterhin beständig die wichtigen Dinge richtig zu tun – die Betonung liegt hierbei auf „beständig“. Die Kernerlemente des Jobs sind schon jahrzehntelang dieselben. Eine wesentliche Voraussetzung für Erfolg ist es, diese beständig auf einem qualitativen Level umzusetzen. So einfach dies klingt, so sehr fordert diese Kontinuität viele Berater heraus.

9. Sie bieten verschiedene Formen der Weiterbildung an, wie z.B. Seminare, On the job Training, aber auch Podcasts an. Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? 

In 2020 hat die Entwicklung meiner Online Trainings viel Raum eingenommen. Einige interessante Produkte sind das Ergebnis; das Feedback dazu ist wahnsinnig positiv. Das gibt mir sehr viel. Aktuell ist gerade meine eigene App in der Entwicklung und wenn alles gut geht, kommt sie in Kürze auf den Markt. 

Meine weiteren beruflichen Pläne sind herrlich unspezifisch: 

  • immer in Bewegung bleiben
  • meinen Kunden größtmöglichen Nutzen stiften und
  • glücklich dabei sein. 

Das ist mein Plan. Nicht mehr und nicht weniger. 


Über Simone Straub

Simone_Straub

Simone Straub ist „Der Personalberater Coach“. Seit 2005 in der Branche bietet sie Training und Coaching für Personalberater, Personalvermittler und Recruiter. Durch ihre langjährige Erfahrung in der Beratung / Vermittlung sowie im Bereich Training & Coaching hilft sie ihren Teilnehmer mit konkret umsetzbaren Impulsen, jeden Tag ein bisschen besser zu werden und ihre Ziele zu erreichen. Sie hat bereits zahlreiche Unternehmen und Berater national und international begleitet. In ihren Seminaren für Personalberater / Personalvermittler sensibilisiert sie für die wesentlichen Faktoren zum dauerhaften Erfolg. Weitere Infos zum Angebot von Simone Straub finden Sie unter www.simonestraub.com. Auf Social Media ist Simone Straub auf Twitter, LinkedIn und Xing mit einem eigenen Profil vertret.

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